Sie entstehen durch ein Zusammenspiel aus Anatomie, Mikroorganismen, Immunsystem und Ernährung.
Inhaltsverzeichnis
Warum Ohrenentzündungen entstehen
Anatomische Prädisposition
Hunde haben einen langen, gebogenen Gehörgang, der Wärme und Feuchtigkeit speichert – ein ideales Milieu für Bakterien und Hefepilze. Rassen mit hängenden Ohren (z. B. Cocker Spaniel, Basset Hound) sind besonders anfällig, weil die Luftzirkulation eingeschränkt ist und die Feuchtigkeit länger im Ohr bleibt. Auch die Ohrenschmalzproduktion ist bei manchen Hunden genetisch höher, was die Ansiedlung von Mikroorganismen erleichtert.
Infektionen durch Mikroorganismen
Bakterien, wie z. B. Staphylococcus pseudintermedius, Pseudomonas aeruginosa oder Hefepilze, wie z. B. Malassezia pachydermatis leben unter normalen Bedingungen auf der Haut, ohne einen Schaden anzurichten. Wird das Gleichgewicht jedoch gestört (z. B. durch mehr Feuchtigkeit, Entzündung oder Allergie), können sie sich stark vermehren und Entzündungen auslösen.
Ernährung: Allergien und Futtermittelunverträglichkeiten
Futterallergien oder Kontaktallergien können zu chronischer Haut- und Ohrenentzündung führen. Bei allergischen Hunden reagiert das Immunsystem übermäßig stark. Histamin und andere Entzündungsmediatoren werden freigesetzt und lösen Juckreiz, Rötung und Sekretbildung aus. Durch Kratzen und sich vermehrende Mikroorganismen kann dann eine sekundäre Infektion entstehen.
Ohrenentzündungen – medizinisch Otitis – gehören zu den häufigsten Beschwerden bei Hunden: schmerzhaft, quälend, manchmal chronisch und leider weit verbreitet. Doch was hat Ernährung damit zu tun? Überraschenderweise mehr, als viele denken.
Studien zeigen, dass bis zu 20 % der Otitis externa Fälle bei Hunden durch Allergien ausgelöst oder verschlimmert werden (Hemida et al., 2023).
Typische Anzeichen, mögliche Auslöser und Informationen zur Ausschlussdiät findest Du in unserem Ratgeber über Allergien beim Hund.
Bis zu 20 % der Otitis externa Fälle bei Hunden werden durch Allergien ausgelöst oder verschlimmert.
Übermäßige Feuchtigkeit und Umweltfaktoren
Nicht nur hängende Ohren, auch baden, schwimmen oder feuchtes Klima können den Gehörgang aufweichen und somit Pilz- und Bakterienwachstum erleichtern.
Nicht zu vergessen sind Fremdkörper (Grashalme, Sand), die zu einer mechanischen Reizung führen und damit Entzündung auslösen können. Auch hormonelle Störungen (z. B. Hypothyreose) können Hautveränderungen bedingen und zu einer erhöhten Otitisneigung führen. Von einer chronischen Ohrentzündung spricht man, wenn die Beschwerden länger als 6 Wochen auftreten, dabei kann das Gleichgewicht der normalen Mikroflora dauerhaft gestört werden, wodurch sich immer wieder neue Infektionen entwickeln.
So wird klar: Eine Ohrenentzündung entsteht selten durch nur einen Faktor – meist ist es ein Zusammenspiel aus Mikroorganismen, Immunreaktionen (u. a. durch Futterallergien) und Umwelteinflüssen. Eine Abklärung durch einen Tierarzt ist unbedingt erforderlich.
Eine Ohrenentzündung entsteht selten durch nur einen Faktor – meist ist es ein Zusammenspiel aus Mikroorganismen, Immunreaktionen und Umwelteinflüssen.
Ernährung als Teil der Prävention
Studien zeigen, dass die Art der Ernährung das Risiko für chronische Ohrprobleme beeinflussen kann.
So zeigt eine epidemiologische Studie großer Datenmenge: Hunde, die in der frühen Entwicklung (insbesondere von der Mutter während der Geburt und in den ersten Lebensmonaten) überwiegend eine nicht verarbeitete, fleischbasierte Ernährung erhielten, hatten später ein signifikant niedrigeres Otitis-Risiko als Hunde, die überwiegend stark verarbeitete Trockennahrung bekamen (Hemida et al., 2023).
Eine bemerkenswerte Untersuchung aus Italien ergab, dass ein anti-entzündliches, antioxidatives Futter signifikant die Symptome von chronischer Otitis externa (äußeres Ohr) verbessern kann, wenn es zusätzlich zu herkömmlicher medizinischer Behandlung gefüttert wurde (Di Cerbo et al., 2016).
Das legt nahe: Ernährung kann nicht nur Symptome lindern, sondern potenziell auch die Risikoentwicklung beeinflussen.
Wie Ernährung die Ohrgesundheit beeinflusst
1. Entzündungsprozesse im Körper dämpfen
Omega-3-Fettsäuren wirken wie ein natürlicher Entzündungshemmer direkt im Gehörgang. Futter mit Omega-3-Fettsäuren (z. B. aus Fischöl) und antioxidativen Inhaltsstoffen kann systemische Entzündungsreaktionen im Körper reduzieren – und damit auch im Ohr. Diese Nährstoffe unterstützen die Hautbarriere und das Immunsystem, was bei Entzündungen sehr hilfreich ist.
Auch Leinsamen liefern pflanzliche Omega-3-Fettsäuren. Mehr über ihre Eigenschaften und die richtige Verwendung erfährst Du in unserem Beitrag über Leinsamen für Hunde.
2. Allergien reduzieren
Manche Hunde leiden an Futtermittelallergien (z. B. gegen Getreide oder bestimmte Proteine). Eine eingeschränkte Futtermittelauswahl kann helfen, allergiebedingte Entzündungsreaktionen zu vermindern. Eine besonders gute Wahl bei Futtermittelallergien ist Monoproteinfutter. Es enthält nur eine einzige tierische Proteinquelle, zum Beispiel Lamm, Huhn oder Fisch – und macht es dem Immunsystem deutlich leichter, das Futter „richtig“ zu erkennen. Anders verhält es sich bei Mehrkomponentenfutter: Proteine aus verschiedenen Quellen können vom Immunsystem fälschlicherweise als ähnlich wahrgenommen werden, was zu Kreuzallergien führen kann. Reagiert ein Hund etwa auf Rind und bekommt gleichzeitig Futter mit Huhn, kann sein Körper auch gegen Huhn sensibilisiert werden. Monoproteinfutter minimiert dieses Risiko, schützt die Ohren und Haut vor unnötigen Entzündungen und erleichtert zugleich die gezielte Identifikation des Auslöseproteins.
Darm-Haut-Ohren-Achse
Die Idee klingt erst einmal ungewöhnlich: „Was der Darm verträgt, beeinflusst die Ohren?“ Aber die Wissenschaft bestätigt einen engen Zusammenhang zwischen Darmgesundheit, Immunsystem und Haut bzw. Ohrgesundheit – man spricht hier von der Darm-Haut-Ohren-Achse.
Der Darm als Immunsystem-Zentrale
Etwa 70 % des Immunsystems befinden sich im Darm (darmassoziiertes lymphatisches Gewebe). Eine gesunde Darmflora unterstützt die Abwehrkräfte: sie verhindert, dass sich pathogene Keime im Körper ausbreiten, und reguliert Entzündungsreaktionen. Bei Hunden mit gestörter Darmflora (z. B. nach Antibiotika, schlechtem Futter oder Stress) kann das Immunsystem überreagieren, was sich als Juckreiz, Hautprobleme oder wiederkehrende Ohrenentzündungen zeigt.
Eine ausgewogene Darmflora dagegen dämpft diese Entzündungsreaktionen, was Ohrenentzündungen vorbeugen oder abschwächen kann. Probiotische Nahrungsergänzungen (z. B. Lactobacillus, Bifidobacterium) fördern die Balance der Darmbakterien. Studien zeigen, dass Hunde mit probiotischer Unterstützung oft weniger Hautprobleme haben und die Häufigkeit von Ohrenentzündungen sinkt (Sun et al., 2025).
Futter mit präbiotischen Fasern oder probiotischen Zusätzen unterstützt die Darmflora langfristig. Kombination aus hochwertigen Proteinen, Omega‑3-Fettsäuren und Probiotika wirkt oft synergistisch. Sie führen zu weniger Entzündungen im Körper, gesünderer Haut und ein geringeres Otitis-Risiko.
Auch Veränderungen der Kotbeschaffenheit können Hinweise auf die Verdauung und die Verträglichkeit des Futters geben. Unser Ratgeber zeigt Dir, wie Du Hundekot richtig beurteilen kannst.
Etwa 70 % des Immunsystems befinden sich im Darm. Eine gesunde Darmflora unterstützt die Abwehrkräfte enorm.
Praktische Ernährungsempfehlungen für gesunde Hundeohren
✔️ Hochwertige Proteinquelle: echtes Fleisch statt tierischer Nebenerzeugnisse
✔️ Omega-3-reiche Komponenten: Lachs, Sardinen oder hochwertige Fischöle
✔️ Antioxidantien und Vitamine: Obst & Gemüse als Ergänzung
✔️ Allergenarme Kost bei Allergieverdacht: limitierte Zutaten oder Monoprotein
✔️ Vermeidung stark verarbeiteter Nahrungsmittel: kein Zucker & Füllstoffe
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Fazit
Die Verbindung zwischen Ernährung und Ohrenentzündung beim Hund ist wissenschaftlich zwar noch im Aufbau, aber klar erkennbar: Richtig zusammengesetzte Nahrung kann Entzündungsprozesse mindern, Allergien reduzieren und in Einzelfällen sogar langfristig das Otitis-Risiko senken. Besonders die Fütterung mit natürlichen und hochwertigen Komponenten scheint entscheidend – vor allem in den frühen Lebensphasen.
Quellen
1. Cerbo et al., „Clinical evaluation of an antiinflammatory and antioxidant diet effect in 30 dogs affected by chronic otitis externa: preliminary results“ (2016), doi: 10.1007/s11259-015-9651-4
2. Hemida et al., „Early life programming by diet can play a role in risk reduction of otitis in dogs“ (2023), doi: 3389/fvets.2023.1186131
3. Sun et al., „Application of Probiotics in Cats and Dogs: Benefits and Mechanisms“ (2025), doi: 3390/vetsci12101008
FAQs
Warum sind Hunde mit hängenden Ohren anfälliger für Ohrenentzündungen?
Hunde mit hängenden Ohren sind anfälliger, da die Luftzirkulation im Gehörgang eingeschränkt ist. Dadurch bleibt die Feuchtigkeit länger im Ohr, was ein ideales Milieu für Bakterien und Hefepilze schafft.
Wie hängen Allergien und Ohrenentzündungen zusammen?
Futter- oder Kontaktallergien können zu einer Überreaktion des Immunsystems führen. Dabei werden Entzündungsmediatoren wie Histamin freigesetzt, was Juckreiz, Rötung und Sekretbildung in den Ohren verursachen kann.
Was ist die Darm-Haut-Ohren-Achse?
Etwa 70 % des Immunsystems befinden sich im Darm. Eine gesunde Darmflora reguliert Entzündungsreaktionen im gesamten Körper. Ein gesundes Darmmilieu kann somit auch Ohrenentzündungen vorbeugen und die Hautgesundheit unterstützen.
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